Die Lieblingsfrage für alle Praktikanten bei Berliner Zeitungen lautet: Was ist ein „typischer Berliner“? Es gibt Gründe, diese Frage zu hassen – denn es stellt sich als ziemlich kompliziert heraus, im Zentrum der Stadt auch nur eine Person zu finden, die deutsch spricht. Touristen aus aller Welt belagern Kneipen und Sehenswürdigkeiten, das Sprachgewirr ist verwirrend global. Noch schwieriger ist es, tatsächlich jemanden zu finden, der wirklich Berliner ist. Zumindest jemanden, der schon so lange in der Stadt lebt, dass er weiß, was diese tickt. Kaum jemand kann erklären, was ein „typischer Berliner“ ist.
Die meisten Gefragten antworten vage, es ist viel von Freiheit und vom Wohlfühlen die Rede. Von der Geschichte der Stadt mit der Mauer und davon, dass heute hier eine besonders lockere Stimmung vorherrscht. In der so vieles möglich ist und die so viele anzieht. Das ist also das gefühlt Typische an Berlin. Doch wie sieht er aus, der Berliner?
Nach langer Beobachtung kann festgestellt werden: Der Berliner fährt Fahrrad. Am Rad hat er einen Korb für Laptop, Bücher oder Einkaufstasche befestigt. Er lebt also sportlich und gesund und kommt gut an jedem Autostau vorbei. Gekleidet ist er meist praktisch, höchstens ein bunter Schal zeugt von besonderem Individualismus.
Häufig ist der Berliner auch zu Fuß unterwegs, dann aber nie ohne Kaffee „to go“ und Brötchen für unterwegs. Dass in Berlin das Brötchen eigentlich Schrippe heißt, ist für den Berliner (oder den, der sich dafür hält) erstaunlich oft neu. Vielleicht ist ja gerade dies typisch für Berlin – dass es hier so viele Menschen gibt, die irgendwann einmal ein „typischer Berliner“ werden könnten.
Von Alexandra Poblinkowa
Im Maerz 2010 war ich zum ersten Mal seit ueber dreissig Jahren in Berlin. Habe meinen Weg zur Schule mal wieder abjeloofen. Vieles ist anders, aber manches besteht noch, wie Max & Moritz in der Oranienstrasse, Kuchen Kaiser, wo mein Opa angeblich mit Paul Lincke Skat gespielt hat, und die Mietskaserne in der ich aufwuchs – obwohl die heute ein Condminium (Eigentumswohnungen?) ist. Nun komme ich zur Sache. Als ich im Alexa bei einem dieser Fast Food restaurants ein Schild mit der Aufschrift “Bockwurst mit Schrippe” sah, wusste ich dass ich zu Hause war. Bin ich ein “typischer” Berliner weil mir sowas sofort auffaellt? Ich weiss es nicht. Ich habe zwar keinen Koffer in Berlin, doch nach 55 Jahren in Kanada sage ich stolz: ich bleib Berlin meiner alten Liebe treu. Broetchen, so’n Quatsch. Det is ne Schrippe!